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Martinsgans 2025 – Eine Nachlese

Als ich am Sonntagmorgen zum Clubgelände kam, lag dieser ganz typische Novemberduft in der Luft. Eine Mischung aus feuchtem Laub, leichtem Nieselregen und dem beruhigenden, fast nostalgischen Geruch des Clubhauses, welches noch geduldig an der Alster schlummerten. Der Himmel war ein einziges graues Tuch, aber irgendwie passte das perfekt – schließlich hat das Martinsgans-Rennen seinen ganz eigenen Charme, und schönes Wetter gehört da traditionell eher zur Kategorie „Gerücht“.

Gegen 10 Uhr füllte sich der Steg langsam, aber stetig. Einer nach dem anderen trudelten wir ein: mit Mützen, mit Kapuzen, mit noch leicht verklebten Augen, aber mit diesem typischen Funkeln, das zeigt: Heute wird’s gut. Ich sah überall fröhliche Gesichter, und selbst die, die eher freiwillig-unfreiwillig aus dem Bett gefallen waren, lächelten irgendwann – spätestens als die ersten Insider-Witze über frühmorgendliche Novemberfitness die Runde machten.

Bevor es ernst wurde, stellten wir uns zum großen Gruppenfoto auf. Und da standen wir: ein Haufen mehr oder weniger wacher Menschen, die beschlossen hatten, sich an einem nasskalten Sonntag freiwillig in ein Boot zu setzen und gemeinsam ein Rennen zu fahren. Ich musste lachen – selten sieht man so viel gemeinsame Vorfreude, gekleidet im Clubanzug, garniert mit ein wenig Dampf, der aus unseren Atemwolken stieg.

Dann betrat Spiddel die Bühne – oder besser gesagt: den Steg. In seiner wunderbar unverwechselbaren Art übernahm er die Einteilung der Mannschaften. Ich weiß nicht, wie er das macht, aber jedes Mal wirkt es wie eine Mischung aus mathematischer Präzision, liebenswertem Chaos und göttlicher Eingebung. Das Losglück spielte natürlich wieder verrückt, mischte Ruderer zusammen, die sonst nie zusammen im Boot sitzen, und sorgte für überraschte Blicke, spontane Umarmungen und den ein oder anderen Spruch, der uns alle zum Lachen brachte. Genau das macht dieses Rennen für mich aus – dass man nie weiß, mit wem man letztlich Schulter an Schulter (bzw. Dolle an Dolle) über den Teich pflügt.

Dass wir am Ende zwölf Achter zusammenbekamen, fühlte sich fast ein bisschen an wie Zauberei. Zwölf! Auf einem Novembermorgen, an dem man sich genauso gut mit einem Tee unter eine Decke hätte verkriechen können. Aber stattdessen standen wir da, bereit für das Rennen – entschlossen, motiviert und, na gut, ein bisschen durchgeweicht.

Als wir schließlich aufs Wasser gingen, setzte der Nieselregen noch mal kurz an – als wolle er sagen: „Vergesst mich nicht, ich gehöre doch dazu.“ Und dann ging es los. Das Rennen selbst war ein herrlich lautes, nasses, kraftvolles Spektakel. Ich spürte den Schlag des Boots, hörte die Kommandos, die über das Wasser hallten, sah aus dem Augenwinkel die anderen Achter wie kleine Pfeile über die grauen Alster ziehen. Es war einer dieser Momente, in denen man alles andere vergisst – außer dem Zug, dem Rhythmus, dem Team.

Nach dem Zieleinlauf folgte die große Ehrung. Und sie war so herzlich, so laut und so ehrlich, dass man sie noch hätte hören können, wenn der Regen in Strömen gefallen wäre.Wir applaudierten den Teilnehmenden, den Unterstützern, den Motorbootfahrern, den Fotografierenden, den befreundeten Clubs für ihre Bootsleihen – und natürlich würdigten wir Spiddel, der wie ein Dirigent diesen ganzen Tag zusammengehalten hatte. Ohne ihn wäre das Rennen nur halb so schön, halb so geordnet und halb so chaotisch – und genau diese Mischung macht es aus.

Und dann: Finale! Die Sieger bekamen ihre wohlverdiente Martinsgans – und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass allein der Duft des Bratens die Herzen höher schlagen ließ. Für uns anderen gab es Erbsensuppe – dampfend, kräftig, perfekt gegen kalte Finger – und dazu ein leckeres Bier, das besser schmeckte als jedes Bier, das ich je an einem warmen Sommertag getrunken habe.

Als ich später auf dem Steg stand und den Blick über das Gelände schweifen ließ, dachte ich:
Das hier ist Clubleben. Genau so soll es sein.
Gemeinschaft. Spaß. Leidenschaft. Ein bisschen Wahnsinn. Und ganz viel Herz.

Am Ende des Tages war klar:

Das Martinsgans-Rennen 2025 war ein sensationeller Clubevent, wie man ihn nicht alle Tage erlebt. Wir haben gelacht, geflucht, gefeiert – und vor allem gezeigt, dass unser Club eine Gemeinschaft ist, die lebt.

Und während wir den letzten Schluck Bier tranken und die letzten Schüsseln abgewaschen wurden, hörte ich schon die ersten sagen:
„Ich freu mich jetzt schon auf 2026.“
Und ich? Ich auch. Von ganzem Herzen.

Fotos: Ingo von Schönberg

Text: Lutz Gärtner