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Coastal Rowing Challenge Amrum

10. Juni 2019, Amrum

von Kai Ramming

Kampf mit den Elementen

Gemeldet hatten acht Ruderer von der FARI, wobei Daniel Makowski schon an der Fähre in Dagebüll umdrehte weil klar geworden war, dass am ersten Regattatag bei Windstärke 9 kein Rudern auf der Westseite von Amrum möglich sein würde. Leider hatte er auch nur an diesem Tag Zeit, bevor er verreisen musste. Daniel wollte im Einer gegen den amtierenden Weltmeister und Vizeweltmeister antreten, wurde aber in dieser Rolle von einem Ersatzmann würdig vertreten.

Am Strand von Norddorf angekommen, waren alle Ruderer beim Anblick der tobenden Wasser der Nordsee froh, dass der Regattasonnabend ausfiel. Als Ersatzaktivität wurde dann die Randsportart Tischtennis und Tischfußball im Schullandheim betrieben. Über Nacht flaute der Wind ab, aber es blieb für den Sonntag eine üppige Welle stehen, die selbst erfahrensten Coastal Ruderern einiges abverlangte und sogar die amtierende Weltmeisterin aus Kiew und den Vizeweltmeister von der Allemannia im Time Trial scheitern ließ.

Die Coastal Boote wurden vom Veranstalter bzw. Fast Sports gegen Gebühr zur Verfügung gestellt und reihum durchgetauscht. Letztendlich kamen aufgrund der Wetter bzw. Wellenverhältnisse nur Coastal 4x+ und 1x Rennen zustande. Die 2x und eine Vielzahl weiterer gemeldeter und bezahlter Rennen fielen aus, was bei den Betroffenen nicht nur für Zustimmung sorgte.

Gestartet wurde hier mit Beach Sprint, d.h. ein Ruderer der Mannschaft oder des Einers sprintet vor dem Rennen über den Strand ins Wasser zum Boot, und nach dem Rennen über den Strand (aber ohne Boot) wieder zurück.

Die Master des Desasters

Für Verwunderung sorgte der Termin für das erste für den Sonntag angesetzte Rennen im Coastal 4x+: 11:00h – etwas über eine Stunde vor Niedrigwasser. Unsere Masters Vierer Crew mit Steuermann Maximilian Bitter wollte eines der Boote aus dem Rennen übernehmen. Hierfür stellten wir uns in das stark ablaufende knöcheltiefe (!) Wasser nahe einer der Wendebojen (!).

Und natürlich liefen dann alle Boote auf Grund oder schlurften knapp darüber. Wir haben noch nie ein Ruderrennen erlebt, in dem wie hier Steuermann und Bugmann das Boot erleichterten und neben den regattierenden Booten herliefen. Einem Boot knickte das Schwert ab. Die Veranstaltung wurde dann für 3 Stunden unterbrochen, bis das Wasser wieder gestiegen war.

Im Einer Vorlauf Time Trial starteten die alten Säcke Roger Mann und Kai Ramming, und die Jungspunde Max Bitter und Frederik Mann. Letzterer als Ersatz für den verletzt in Hamburg gebliebenen Jan Widderich. Die Jugend kam erheblich besser mit den Bedingungen zurecht und surfte auf der Welle eine Runde weiter. Bemerkenswert war, dass Fred dem Vizeweltmeister zwei Sekunden abnehmen konnte. Roger und Kai ließen höflicherweise der jüngeren Konkurrenz den Vortritt. Max fuhr zwei super Rennen, aber leider war danach für ihn Schluss. Frederik zirkelte sich ganz cool ins Finale der letzten vier von 20 Einern.

Fred rudert gegen Eduardo Linares.
Max mit dem Blick für die richtige Welle.
Kai beim Start.

Roger Mann, Jens Hottendorf (Ersatz für Timm Volmer), Kay-Uwe Jancke und Kai Ramming fuhren einen von Max souverän gesteuerten Masters of Desaster Doppelvierer. In der recht eng gesteckten Wendezone setzte eine hohe Welle unseren Bug auf den vorderen Luftkasten der Gegner vom RCA ab. Wieder runter gerutscht verhedderten sich die Skulls ineinander. Für eine gefühlte Ewigkeit trieben wir dann manövrierunfähig quer zur meterhohen Brandung und holten zweimal so mächtig erst zur einen und dann zur anderen Seite über, dass die Kenterung sicher schien.

Überraschenderweise doch noch im Boot sitzend, gab es ein erstaunlich enges Rennen bis zum Strand. Unsere Kollisionsgegner erwischten die perfekte Surf Welle und rauschten mit gefühlt doppeltem Tempo an uns vorbei, während wir im Wellental verhungerten. Rogers Sprint am Strand bescherte uns dann Platz 2 von drei Booten.

Das Rennen der Master of Desaster.

Da ja so viele Rennen ausgefallen waren, blieb jetzt nur noch Frederiks Finale im Einer. Letztes Jahr war es Roger, aber dieses Mal war sein Sohn Frederik unser bester Mann. Der amtierende Weltmeister Eduardo Linares aus Peru führte ein Lehrstück vor, wie man mit tückischem Wasser zurechtkommt und surfte zum souveränen Sieg. Danach wurde es zwischen Frederik Mann und Winter (auch Frederik, aber RaW Berlin) knapp. RCFH – Frederik hätte sich im Sprint nur 20 cm weiter nach vorne über die Ziellinie werfen müssen, dann wäre es Silber und dazu 200 Euro geworden.

Aber auch so: Sensationell der Bronze Platz! Und alle Frederiks und alle Manns waren mit ihrem Ergebnis sehr zufrieden!

Eduardo in Führung, dahinter RaW Frederik, danach Fari Frederik.
Siegerehrung am Strand von Amrum. Foto: Roger Mann

Am Pfingstmontag fuhren Timm Volmer, Jens Hottendorf, Max Bitter, Kay-Uwe Jancke und Kai Ramming im DRV Coastal Doppel Vierer „Albatros“ in 3:23 h die 35-36km einmal im Uhrzeigersinn um Amrum herum. Beeindruckend die Weite des Horizonts, die Tidenströmungen, die uns beobachtenden Robben, aber auch wie gut das Coastal Boot mit der Windstärke (Ostnordost) 5 und den dazugehörenden Wellen vor Wittdün zurechtkam. Wir fühlten uns keinen Moment lang von Wasserverhältnissen verunsichert, die eine See Gig an ihre Grenzen gebracht hätte. Ein Regenschauer drohte an der Südspitze Amrums, und so gaben wir auf der Westseite Gas Richtung Norden, nachdem wir unserer Ablösecrew aus dem blauen Dunst heraus telefonisch 12:15 Uhr als Übergabetermin genannt hatten. Weit gefehlt, denn es wurde 12:13 Uhr und wir mußten noch nicht einmal das Boot aus der Nordsee heben. Alle die dabei waren fanden: Das war eine runde Sache!

Amrum Südspitze, ist Kay-Uwe seekrank? Foto: Jens Hottendorf
Nach der Runde ist vor Timms Runde. Foto: Jens Hottendorf

Ich denke schon, dass sich nach Pfingsten 2019 der Kreis der Coastal Rowing Freunde in der FARI erheblich erweitert hat.