Clubhaus

18.11.2012 - 11.11.2012 Rund um HongKong-Island 44 Km

von Kai Ramming




Am 11.11.2012 um 08.30h ist es soweit: Wir werden im Süden der Insel Hong Kong gestartet und in einem Rennen mit 23 Ausleger-Kanus und 6 weiteren Ruderbooten auf die ca. 44 Kilometer lange Reise im Uhrzeigersinn um die Insel herum geschickt. Zur gleichen Zeit starten im Norden Hong Kongs 235 Segelboote aller Größen. Zum Schluss wird zwischen dem siegenden Segelboot, einer 72 Fuss Rennyacht und dem schnellsten Ruderboot weniger als eine Minute liegen. Es leuchtet ein, dass viel Wind für die Segler vergleichsweise gut ist und für die muskelbetriebenen Boote schlecht – und andersherum. Was die Windstärke angeht wird es heute so ein Mittelding werden. Die einheimischen Ruderer werden die Bedingungen hinterher als ‚gut’ bezeichnen. ‚Gut !’ stand auch auf unseren roten Schirm Mützen aus Sepps Kinderabteilung.




 
‚Wir’, das sind Daniel Makowski und ich im Doppelzweier. Und wir haben in der kurzen Eingewöhnungszeit in den französischen Küstenruderbooten bereits gelernt, dass Wind- und Wellenverhältnisse auf dem südchinesischen Meer die absoluten Bestimmer über das Wohl und Wehe und auch die Geschwindigkeit der Ruderer und Kanuten sind. Man kann sich dem nur anpassen und keinesfalls gegenan kämpfen. Um diese Jahreszeit herrscht der Nordost Monsun vor, der an vielen Tagen bis zu 2,5 Meter hohe Wellen an die felsige Ostküste Hong Kongs wirft. Gut für die Segler, schlecht für die Ruderer. Wer bei solchen Bedingungen nicht auf dem Wasser gewesen ist, kann sich kaum vorstellen wie beschwerlich Rudern dann sein kann. Und dann ist da noch der Hafen: Hier rast eine Schnellfähre nach der anderen mit 30 Knoten durch, dazu andere Fähren, Schlepper, Dschunken, schnelle Lotsen- und Behördenboote, eine Menge Bewegung auf engem Raum. Die Wellenberge reflektieren an den senkrechten Ufermauern und überlagern sich kreuz und quer. Da stellt sich die Frage: Ist das denn sicher ?




Ich würde sagen: Es ist ziemlich sicher, denn die von allen Teilnehmern genutzten Küstenruderboote gleicher Bauart sind dafür ausgelegt. Sie sind unsinkbar, das hereinplanschende Wasser läuft einfach hinten wieder raus und die Ausleger klappen hoch, was hohe seitliche Wellen ‚machbar’ macht. Und dann hat man jedem Ruderboot ein Begleitboot zur Sicherheit beigestellt, denn aus Sicht eines 35 Knoten schnellen Katamarans verschwinden die Ruderer manchmal in den Wellentälern, während das dicht dran bleibende Begleitboot noch sichtbar ist. 

Zurück zum Rennen:

Wir sind froh, dass die Wolkendecke überwiegend geschlossen bleibt, denn wir kommen direkt aus der deutschen Novemberkälte in diese Temperaturen Anfang der Celsius Zwanziger. Unsere direkten Gegner sind drei einheimische Doppelzweier vom Royal Hong Kong Yacht Club und dem Lantau Boat Club. Wir sind erleichtert, dass wir nach kurzer Zeit eine deutliche Führung herausrudern können und diese auf unserem nordwestlichen Kurs bei deutlich spürbaren Gegenwind und Tide gegenan durch den Lamma Channel ausbauen. Nach 55 Minuten geht es bei Green Island um die Ecke, die den Eingang zum Hafen markiert. Ja, durch den Hafen….der Vergleich mit einem Korken im Herbststurm ist wohl nicht abwegig.

Gott sei Dank hilft uns die Tide durch den schlimmen Teil. Wir werden gleichzeitig nach oben, seitlich und dann wieder nach unten geworfen. Wasser schlägt von vorne und beiden Seiten gleichzeitig ins Boot. Ein gerader Kurs ist nicht annähernd zu halten. Aber irgendwann und irgendwie sind wir da durchgekommen. Die coole Skyline der Metropole können wir so nicht wirklich genießen.



Es geht weiter Richtung Osten am Nordufer Hong Kongs entlang. Wir passieren die Markierungsbojen vor dem Royal Hong Kong Yacht Club, auch wenn die ganz anders liegen als angekündigt. Dann bei besseren Wasserverhältnissen und Schiebewind an North Point und Quarry Bay vorbei. Die Hälfte ist bei Shau Ki Wan erreicht und ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass wir sehr gut in der Zeit liegen. Der hier stärker werdende Schiebewind hilft uns durch den sich aufbauenden Schwell weiter Richtung Shek O, wo wir das offene Meer erreichen. Es soll sich als sehr positiv herausstellen, dass der Nordwind den Schwell aus Osten relativ ‚platt’ macht, denn bei der sich nun einschleichenden bleiernden Müdigkeit wird das Rudern auch so schon schwierig genug. Andererseits hilft uns, dass wir inzwischen alle Ruderboote hinter uns völlig aus der Sicht verloren haben und dass Cape D’Aguilar näher kommt.  Nach einer gefühlten halben Ewigkeit sind wir um dieses berüchtigte Kap herum Richtung Stanley unterwegs. Auf einmal ist der Wind eingeschlafen und wir fangen an, die riesige Flotte der Segler zu überholen. Dann nach 36 mit Schlagzahl 28 geruderten Kilometern fangen bei mir Arme und Beine gleichzeitig an zu krampfen. Daniel sitzt vor mir und zieht stoisch seine Skulls weiter durch. Das baut mich auf und es muss einfach irgendwie weitergehen - um die Stanley Halbinsel herum.  Noch 6,5 Kilometer, die sich bei dem plötzlich wieder einsetzenden Gegenwind und ‚netter’ Windwelle über eine Ewigkeit hinzuziehen scheinen. Immer wieder Krämpfe. Ich zähle dauernd Schläge bis 20 und peile durch den Rückspiegel das Felsentor an, durch das wir auf unserem Weg noch durch müssen. Danach dreht das Begleitboot schon ab und es folgt der Endspurt, den Daniel tatsächlich noch lostreten kann ! Ich schaffe es mit letzter Willenskraft da mitzumachen. Dann die allerletzten Schläge. Zielhupe. Gejohle an Land. Der Blick auf die Uhr: Ja, es hat gereicht, wir liegen ca. 20 Minuten unter der vorherigen Bestzeit !



Ausrudern geht nicht mehr für mich. Alles fest. Vorm Strand ins Wasser gestiegen. Ich wanke in die kühle Bootshalle und melde mich für die nächsten 20 Minuten mit grauem Gesicht und Kreislaufproblemen ab. Daniel muss das Boot irgendwie aus dem Wasser bekommen, bei mir geht nichts mehr. Gottseidank kriege ich irgendwann die Kurve und komme gerade rechtzeitig zum Gruppenfoto der Doppelzweier mit Champagner aus Pappbechern wieder auf die Beine. Gut ! So wie es auf unseren Schirmmützen steht so empfinden wir auch das erzielte Ergebnis. Nun geht der angenehme Teil des Tages los – das Feiern und die Siegerehrung in der warmen Novembersonne ! Unsere Gastgeber vom Royal Hong Kong Yacht Club laufen bei der Betreuung der Gäste aus Übersee zur Hochform auf.

 

Ergebnisse - Schlüssel Daten:

Offizieller Rekord Around the Island aus 2011: 4:05,42

Inoffizieller Rekord aus 1992 (nachts im Renn 4+ gerudert): 4:01

RCFH Daniel Makowski / Kai Ramming 2012: 3:43,56

Royal Hong Kong Yacht Club 2x around the Island 2012: 3:53,04

Royal Hong Kong Yacht relay 2x 2012: 3:53,22 (mit Oli Ernst, DHuGRC)

72 Fuss Rennyacht ‚Jelik’ 2012: 3:43

2012: Schnellstes 6er Auslegerkanu 3:30,42. So ein Boot kann auf der Welle surfen und es wird laufend aus dem Wasser heraus und hinein gewechselt, ohne dass das Kanu anhält. Ein eindrucksvoller Vorgang.

 

Fazit: Zusammen mit- und vor allem wegen Daniel und seiner überragenden Fitness konnte ich mir den Traum erfüllen, einmal eine Regatta rund um meine ‚alte Heimat’ erfolgreich zu gestalten. Wir haben uns gründlich darauf vorbereitet und sind vorher lange Strecken im Dubick ‚geballert’. Aber was uns vor Ort erwartete, war wirklich noch eine ganz andere, härtere Nummer. Das Rennen und das Drumherum hat uns beiden trotz der Anstrengung sehr viel Spaß gebracht. Ruder-Exotik pur !  Eventuelle Wiederholungstäter seien gewarnt, dass Alter zwar nicht vor Torheit schützt, aber auch mir ganz klar meine Grenzen aufgezeigt hat. Dank Daniel haben wir der Nachwelt mit unserer Durchgangszeit hoffentlich für eine Weile etwas zum Knabbern gegeben. Wir wünschen den Seglern in den kommenden Jahren viel Wind und hohe Wellen – dann hält unser Rekord länger.

 



Daniel und Kai haben sich eine besondere Langstrecken-Regatta im südchinesischem Meer ausgesucht mit unsinkbaren Yole DE Mer Booten. Kai bereitet sich schon seit einiger Zeit auf diese Herausforderung vor und trainiert mit höherer Schlagzahl im Hannes (Gig-Einer) und im Gig 2x (Dubick).






Kai Ramming

Am 11.11.2012 plane ich, zusammen mit Daniel Makowski im Doppelzweier an einem Ruderrennen um die Insel Hong Kong teilnehmen. Die Distanz beträgt etwa 46 Kilometer, die wir mit hoher Schlagzahl fahren wollen, sofern die Bedingungen dies erlauben. Für alle Teilnehmer stehen französische Yole de Mere zur Verfügung. Neben dem 2X auch 4X+. Diese Einheitsboote werden von der FISA bei Offshore Regatten eingesetzt, sind also küstenmeertauglich. Diese sicheren Schiffe sind  die idealen Boote für den Abschnitt durch den von zahllosen Schnellfähren aufgewühlten Hafen und für die Strecke, die über  das offene Meer führt. Ein Begleitboot zur Sicherheit ist übrigens Vorschrift.

Die Ausrüstung der Ruderer und des Doppelzweiers wird akribisch vorgeplant, da eine Unterstützung von außen während des Rennens - außer bei Materialbruch und im Notfall - verboten ist. Für die gut vier Stunden am Anschlag rudern ist das Nachführen von ausreichend Kalorien und Fluessigkeit rennentscheidend.

Für Daniel, 27, ist dieses Rennen eine Abwechslung im Verlauf seiner Karriere als Top Ruderer. Ich rechne damit, dass ich mit Abstand der älteste Teilnehmer sein werde, denn ich habe mir ja auch Zeit genommen, mir diesen  lang gehegten Traum zu erfüllen. Klar, Daniel ist die Hauptmaschine und ich bin eher der Hilfsantrieb und trotzdem sind wir aufeinander angewiesen.

Daniel und ich stehen mitten in der Vorbereitung und hoffen, dass wir beide fit und gesund an den Start gehen können und das Rennen in annehmbarer Form auch beenden werden.

Wir werden berichten was dabei herausgekommen ist.